Digital Video Broadcasting for Handhelds, kurz DVB-H, sollte die Zukunft des mobilen Fernsehens sein. Es wurde 2004 vom Europäischen Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) unter der Spezifikation EN 302 304 standardisiert und positionierte sich als Schwergewichts-Champion gegenüber den Digital Multimedia Broadcasting (DMB)-Systemen. Doch im Kern war DVB-H keine völlig neue Erfindung. Es handelte sich um eine mobile Adaption von DVB-T, dem terrestrischen Rundfunkstandard, der für feste Empfänger wie Ihren Wohnzimmerfernseher entwickelt wurde.
Der Wechsel vom Festnetz zum Mobilfunk erforderte drei große technische Überarbeitungen, um die Technologie für Handheld-Geräte nutzbar zu machen.
Energieeffizienz und Signalrobustheit
Die erste Änderung betraf die Akkulaufzeit. Herkömmliches Streaming verbraucht schnell Strom. DVB-H löste dieses Problem durch die Übertragung von Daten in zeitgeschnittenen Bursts. Ihr Empfänger muss nicht ständig wach sein. Zwischen den Bursts kann es in einen Energiesparmodus wechseln. Schätzungen gehen davon aus, dass dadurch der Energieverbrauch um den Faktor zehn gesenkt werden konnte.
Zweitens führte der Standard eine robuste Fehlerkorrektur ein. Insbesondere wurde MPE-FEC verwendet, das den Informationsbits Redundanz verleiht und einen Reed-Solomon-Schutz anwendet. Dadurch wurde sichergestellt, dass die Daten auch bei Hochgeschwindigkeitsbewegungen oder Netzwerkübergaben intakt blieben. Sie könnten mit Autobahngeschwindigkeit fahren, ohne dass das Video einfriert oder verpixelt.
Schließlich wurde eine neue Reihe von Modulationsschemata eingeführt: Q-PSK, 16-QAM und 64-QAM. Das Ergebnis war ein Signal, das sich bemerkenswert robust anfühlte. Die Empfangsqualität hat sich im Vergleich zu früheren Iterationen deutlich verbessert.
Frequenzbänder und Komprimierung
Interessanterweise spezifizierte der Standard kein einziges Videokomprimierungsformat. Es könnte MPEG-4, MPEG-2 oder VC-1 verarbeiten. Diese Flexibilität war ein zweischneidiges Schwert, da sie verschiedene Implementierungen ermöglichte, aber eine einheitliche Einführung erschwerte.
Hardwareseitig operierte DVB-H in den UHF-Bändern (IV und V). Dieser Frequenzbereich ist von entscheidender Bedeutung, da er kleine Antennen ermöglicht, die in ein Mobiltelefon passen. Auch in den USA wurden Tests im L-Band durchgeführt, für den Einsatz in Europa blieb jedoch der UHF-Schwerpunkt im Vordergrund. Die Technologie versprach Datenraten um die 11 Mbit/s, was für die Mitte der 2000er Jahre respektabel war.
Synergie mit bestehender Infrastruktur
Eines der stärksten Verkaufsargumente für DVB-H war seine Nähe zu DVB-T. Die Betreiber mussten keine völlig neue Infrastruktur aufbauen. Sie könnten dieselben Modulatoren, Sender und Antennen wiederverwenden. Diese Synergie senkte die Eintrittsbarriere für Rundfunkveranstalter. Wenn eine Region die DVB-T-Abdeckung ausweitete, begünstigte dies natürlich die Einführung des Mobilfunkdienstes.
Das Ökosystem stimmte auch mit dem IP Datacast Forum überein. Diese Gruppe drängte auf die Bereitstellung von IP-basierten Inhalten über die DVB-H-Schicht. Das Ziel war einfach: Netzwerke zusammenführen. Wenn Sie IP-Inhalte über Funk übertragen könnten, würde die Grenze zwischen Internet-Streaming und traditionellem Fernsehen verschwimmen. Es versprach Interkonnektivität, aber zu welchem Preis?
Global Trials und die französische Fallstudie
Europa setzt stark auf DVB-H. Das Argument war klar: Es könnte mehr Kanäle liefern als DMB. Während DMB etwa ein Dutzend Kanäle anbot, versprach DVB-H dreißig. Außerdem sollen die Empfänger dreimal weniger Strom verbrauchen als die Konkurrenz.
Die Prozesse fanden weltweit statt. Deutschland, Italien, Australien, Südafrika und die USA führten alle Experimente durch. Italien hat während der Weltmeisterschaft einen kommerziellen Dienst eingeführt, obwohl Analysten hinsichtlich seines langfristigen Erfolgs weiterhin skeptisch sind. Die Absicherung lag bei rund 65 % der Bevölkerung. Das Vereinigte Königreich hat außerdem einen kommerziellen Dienst mit rund 16 Videokanälen eingeführt.
Frankreich bietet den detailliertesten Einblick in die Skalierung dieser Technologie. Mobilfunkbetreiber, darunter ein von SFR und Canal+ geführtes Konsortium, begannen bereits 2005 mit Tests. Es folgten regulatorische Impulse. Das im März verkündete Gesetz zur Modernisierung der audiovisuellen Verbreitung signalisierte ein starkes Interesse der Regierung an der Zukunft des Fernsehens.
Die CSA (Frankreichs Rundfunkbehörde) wählte dreizehn private Sender aus und reservierte durch staatliche Vorkaufsrecht Kapazitäten für drei öffentliche Sender. Der Plan war ehrgeizig. Anfang 2011 sollte ein Multiplex mit 16 Kanälen seinen Sendebetrieb aufnehmen. Ziel war es, innerhalb von drei Jahren 30 % der Bevölkerung abzudecken und von dort aus zu wachsen.
Aber Technologiestandards sind nur so gut wie ihre Umsetzung. Das Versprechen von geringem Stromverbrauch und hoher Robustheit führte nicht zu einer Marktbeherrschung. Smartphones begannen mit der Integration von 3G- und später 4G/5G-Datenmodulen und boten On-Demand-Inhalte, ohne dass eine separate Rundfunkempfangsschicht erforderlich war. Die Infrastruktursynergie mit DVB-T verlor mit der Verbesserung der Breitbandabdeckung an Bedeutung.
DVB-H blieb ein technologisches Wunderwerk seiner Zeit. Es wurde bewiesen, dass ein robuster Mobilfunkempfang mit geringem Stromverbrauch möglich ist. Doch die angestrebte Konvergenz der Netzwerke verwirklichte sich nie vollständig in der Art und Weise, wie das IP Datacast Forum es sich vorgestellt hatte. Die Zukunft des mobilen Videos wurde zu einer Frage von Datenpaketen und nicht von Broadcast-Bursts.









































